"Film reif"

Er war der Zoro des Acht-Millimeter-Films." So beschrieb der Rallye-Poet Herbert Völker vor vielen Jahren seinen Freund, den Dokumentar Filmer Helmut Deimel. Sowohl Deimel als auch Völker stammen aus Wien, insofern ist dieser Spruch natürlich klar dem dortigen Schmäh zuzurechnen. Was Homer für Odysseus war, das waren Deimel und Völker für die Rallyestars der siebziger und achtziger Jahre - der eine als Filmer, der andere als Schreiber. In epischer Breite priesen sie mit faszinierenden Bildern, einfühlsamen Geschichten und schneidigen Kommentaren die großartigen Leistungen von Fahrern wie Walter Röhrl, Ove Andersson, Hannu Mikkola und Stig Blomqvist, um nur einige der damaligen Großmeister des Driftwinkels zu erwähnen. Dazu muss man wissen, dass die Rallye-WM vor drei Jahrzehnten ungeheuer populär war, anders als die Formel 1, die in Deutschland - nicht zuletzt wegen der damals nur unregelmäßig stattfindenden Live- Berichterstattung in ARD und ZDF - ganz unten war, ehe sie zuerst vom privaten Fernsehen und später von Michael Schumacher wachgeküsst wurde. Der größte deutsche Motorsport-Held war damals ganz klar Walter Röhrl. Durch seine zwei Weltmeister-Titel (1980 mit Fiat, 1982 mit Opel) gab er der Autofahrer-Nation Deutschland das wärmende Gefühl: Wir sind wieder wer. Röhrl konnte und kann aber nicht nur unheimlich gut mit Kraftfahrzeugen umgehen (wobei die Betonung auf „Kraft" liegt). Der gebürtige Oberpfälzer, der jetzt nicht mehr in Regensburg, sondern im weitaus beschaulicheren Sankt Engmar lebt, ist auch mit der Gabe gesegnet, seine Erlebnisse unglaublich spannend und lebendig schildern zu können. Selbst 24 Jahre nachdem Röhrl zum letzten Mal bei einem Rallye-WM-Lauf angetreten ist, kennt beinahe jedes Kind in Deutschland seinen Namen. Ganz so lange hat Filmemacher Helmut Deimel zwar nicht gebraucht, um sein neuestes Opus, den Film „Röhrls Katze", zu vollenden. Eingeweihte wissen aber, dass schon vier oder fünf Winter ins Land gingen, ehe aus dem verwegenen Plan des Rallye- Filmers ein abendfüllender Streifen wurde. Der Filmtitel erklärt sich übrigens aus dem Umstand, dass Walter Röhrl sein Herz vor ein paar Jahren an ein Kätzchen namens Lisa verloren hat.„Röhrls Katze" ist im Grunde genommen ein Dokumentarfilm mit vielen unglaublich spektakulären Aufnahmen. Seine ganz einmalige Würze aber bezieht der Streifen daraus, dass Deimel einige Szenen im Stile eines Hollywood-Action- Regisseurs nachgestellt hat. „Zum größten Teil besteht der Film aus historischem Material", sagt Deimel. „Aber zum Konzept gehörte es, gewisse Ereignisse nachzustellen, die wir damals verpasst haben." Diese Szenen sind im fertigen Film zwar nur wenige Minuten lang, doch wer den Perfektionisten Deimel kennt, der weiß, dass der Aufwand für solche Szenen oft in umgekehrt proportionalem Verhältnis zu der schnöden Zahl der Sekunden im fertigen Produkt steht. Eine der schönsten Röhrl- Storys trug sich im Jahr 1978 zu. Bei der San-Remo-Rallye überschlug er sich mit seinem Werks-Fiat 131. „In einer Rechtskehre hat's uns ausgehebelt", erinnert sich Beifahrer Christian Geistdörfer. „Wir haben uns gekugelt, und schließ-lich sind wir auf dem Dach eines unbewohnten alten Stadels gelandet." Dem Highspeed-Dichter Völker war diese Geschichte aber noch nicht saftig genug. Und darum setzte er noch einen drauf. Er pfefferte das Ganze mit einem in der Wohnstube sitzenden Bauern, der durch ein lautes Rumpeln bei der Zeitungslektüre gestört wird. „Francesca, ich glaube, es hat an der Tür geklopft", ruft der Landwirt seiner Frau zu. „Schau nach, wer da ist. Ich kann gerade nicht." Eine wunderbare Story - aber mit Nachteilen. Denn zum einen ist sie - wie erwähnt - bestenfalls „grenzwahr", zum anderen gibt es natürlich keine Filmaufnahmen, auch nicht vom realen Unfallgeschehen. Deimel stellte die Szene auf einem Gutshof in Niederösterreich nach. In der Hauptrolle: ein baufälliger Fiat 131, den er in der Pfalz für 1800 Euro kaufte und mit allerlei bunten Aufklebern im Wert von weiteren 500 Euro originalgetreu verschönerte. Fleißige Helfer hievten den 131 immer wieder die Böschung hoch und ließen ihn in den Innenhof purzeln. So lange, bis der Darsteller des Bauern seinen Text endlich unfallfrei vortrug. Zu den neu verfilmten Episoden gehört auch der Höllenritt durchs verregnete Kenia im Jahr 1979, als Röhrl zunächst ein überfülltes Buschtaxi streifte und dann, nachdem die Windschutzscheibe zerbrach, mit geborgter Taucherbrille durch das Unwetter fuhr, um am Ende Zweiter zu werden. Keinesfalls fehlen durfte auch die Zeit als Fahrer im Dienste der Diözese Regensburg. Mit dem Mercedes 300 SE kutschierte Röhrl den bischöflichen Oberfinanzdirektor durch den Freistaat, meist in eiligem Tempo. Die Rolle des kettenrauchenden Finanzexperten im Fond übernahm Rallye-Schriftsteller Herbert Völker persönlich. Kleiner Gag am Rande: Völker ist militanter Nichtraucher. Aber auf dem Altar der Kunst muss man halt ab und zu kleine Opfer bringen. Claus Mühlberger (Auto Motor Sport)

 


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